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Entspann‘ dich Autofahrer. Schalt auch mal ab. Atme tief durch – den bleiernen Auspuffwolken zum Trotz.

Poesie an Straßenkreuzungen

Der kalkuttische Straßenverkehr ist nichts für schwache Nerven.Wo sich Staus schier endlos in den durch Abgaswolken vernebelten Horizont erstrecken, die Kakophonie der Hupkonzerte Rikscha-, Bus- oder Autofahrer beinahe zur Geisterfahrt animieren, wo Ampeln nur Empfehlungen sind und neben herkömmlichen Verkehrsteilnehmern auch Rikschazieher, Fußgänger, Kühe, Schweine, Hunde, Ratten und bettelnde Kinder ubiquitär sind, scheint es fast verständlich, dass die Autofahrer und Autofahrerinnen Kalkuttas oftmals am Rande des Wahnsinns agieren, stets dem Koller und ihr puterroter Kopf in der ohnehin oft bulligen Heißlufthitze und dem schwammig-schwülen Schwitzklima dem Bersten nahe.

Entspann' dich, schalt auch mal ab.

Eine Abhilfe der besonderen Art soll den Stresskollaps verhindern: In der Millionenmetropole werden – sobald die Ampeln auf Rot schalten – entnervte Autofahrer an über 60 Kreuzungen mit Kompositionen des indischen Dichters, Philosophen, Musikers und Nationalhelden Rabindranath Tagore beschallt. Poesie und harmonische Klänge gegen Ungeduld und Anspannung. Dazu Gedichte des Dichters Kazi Nazrul Islam aus Bangladesch.

Die Lyrik aus Lautsprechern kommt nach Aussagen von Kalkuttas Bürgermeister Sovan Chatterjee gut an. Sie mindere den Stress, die Verkehrsteilnehmer seien deutlich entspannter und das nervtötende – und auch nutzlose – Hupen habe nachgelassen.

Die Berieselung soll nun auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden. Auch Anwohner und Verkehrspolizei unterstützen die Initiative. Vertreter der Linken sehen darin eine Trivialisierung Tagore‘s Werk.

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