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Imagekur oder Schönmalerei? Kalkutta bekommt einen neuen Anstrich! Unter dem Motto „The Sky is the Limit“ werden derzeit Leitplanken, Flyovers, Parkgitter, Straßenlaternen und viele andere Teile der Stadt in Himmelblau gemalt. Selbst Bäume erhalten den blau-weißen Anstrich, die gelben Taxen sollen bald folgen. Damit soll die Stadtführung von der kommunistischen Ära in Rot , die nach 34 Jahren zuende gegangen war, abgegrenzt werden und ein Zeichen für den Neubeginn gesetzt werden. Neben Sauberkeitsoffensiven und Maßnahmen der Vergrünerung der Stadt ist das kollektive Malen zudem ein erster Schritt von Mamata Banerjee’s Plan, Kalkutta in das „indische London“ zu verwandeln.


“Trotz einer viel geringeren Einwohnerzahl als Kalkutta, konnten die Londoner durch präzise Planung eine schöne Stadt errichten. Das können wir auch, wenn wir genaue Pläne haben. Obwohl unsere Stadt nicht mit den gleichen finanziellen Mitteln ausgestattet ist wie London, glaube ich, dass Geld von privater Seite aus fließen wird, sobald die Regierung Schritte zur Verschönerung und Stadt übernimmt“, sagte die Chiefministerin von West Bengalen, die seit einem Dreivierteljahr mit ihrer Trinamool Partei den Bundesstaat regiert.

Kalkuttas Bürgermeister Sovan Chatterjee (ebenfalls Trinamool Partei) begrüßt das Vorhaben und sieht darin eine Chance zum Imageaufbau der Stadt: „So wie Jaipur als die Pink City bekannt ist, kann Kalkutta als die Blue City bekannt werden. Unter der Direktion von Mamata Banjerjee benutzen wir eine einheitliche Farbe für Kolkata“, sagte er zu indischen Medienvertretern.

Die Kosten der Färbung betragen ca. 12 Millionen Dollar. Die Einwohner von Kalkutta betrachten das große Streichen mit gemischten Gefühlen. Die einen befürworten den neuen Look und sehen im Blau-Weiß die Farben des Friedens, die gut zu ihrer Stadt passen würden. Andere sehen in der Aktion eine Geldverschwendung und sind der Meinung, Kalkutta habe dringendere Probleme. Umweltschützer kritisieren, die Farben, mit denen die Baumstämme bemalt werden, enthielten Gifte und könnten sie dadurch dauerhaft schädigen.

Doch die behördliche Malerei wird konsequent fortgesetzt. Eine Vielzahl von Arbeitskräften kommt dabei zum Einsatz. Selbst das rote Writer’s Building, in dem die Regierung des Bundesstaates untergebracht ist, wurde mit einem Teppich aus kleinen Lämpchen überzogen und illuminierte kürzlich nachts in Blau.

Dass es Mamata Banerjee mit der blauen Optik ernst meint, zeigt sich auch daran, dass Steuervergünstigungen für all jene in Aussicht gestellt werden, die bereit sind, ihre Häuser in Blau zu tünchen. Ob die Kalkuttans die neuen Farben ihrer Stadt mögen oder nicht – daran gewöhnen müssen sie sich wohl.

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