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Groß war die Spannung und Vorfreude bei Max Zähle, als er nach Los Angeles eingeladen wurde: Am Wochenende trat dort sein Film „Raju“ als einer der wenigen deutschen Beiträge bei den 84. Verleihungen der Oscars an. Nominiert war der Kurzfilm des Hamburger Regisseurs in der Kategorie „Live Action Short Film“ (bester nicht animierter Kurzfilm). Die Trophäe blieb zwar aus, aber ein Gewinner ist der Film trotzdem.

„Raju“ erzählt die Geschichte eines deutschen Paares, das nach Kalkutta reist, um ein Kind zu adoptieren. Der fünfjährige Raju, der in den Slums der Stadt wohnt, wird ihnen vorgestellt. Das kinderlose Ehepaar Jan und Sarah Fischer (gespielt von Wotan Wilke Möhring und Julia Richter) entscheidet sich sofort für ihn. Alles scheint sicher und seine gerodeten Wege zu gehen, doch dann verschwindet Raju urplötzlich. Jan und Sarah begeben sich auf eine intensive Suche in Kalkutta und stellen bald fest, dass Raju kein Waisenkind ist, sondern seinen leiblichen Eltern weggenommen wurde, um an wohlhabende, westliche Eltern verkauft zu werden…

Raju (c) Hamburg Media School / Filmwerkstatt

„Raju“ ist ein 24-minütiger Spielfilm über illegale Adoptionen, er beleuchtet den Kinderhandel in Indien, als eines dessen Zentren Kalkutta gilt. Zwei Monate hielten sich Regisseur Max Zähle (34), Produzent Stefan Gieren (32) und Kameramann Sin Huh zusammen mit weiteren deutschen Mitarbeitern und einer indischen Crew im Jahr 2010 in Kalkutta auf. Für die drei Hamburger war es die Master-Abschlussarbeit ihres Studiums an der Hamburg Media School.

Die Idee zu dem Thema ist Zähle, der in Hannover geboren wurde und in Celle aufwuchs, nach dem Erdbeben von Haiti gekommen, in dessen Zuge Kinder, deren Eltern noch lebten, ebenfalls ins Ausland verkauft wurden.

Als Hauptdarsteller konnten die drei Hamburger Wotan Wilke Möhring und Julia Richter gewinnen, die vom Drehbuch überzeugt waren und sogar auf ihre Gage verzichteten. Für Zähle eine Traumbesetzung. Auch wenn der Oscar ausblieb – allein mit ihrem Film unter die Auswahl der fünf besten Kurzfilme zu kommen,  ist ein großer Erfolg für die jungen Filmemacher.

Ein Erfolg ist der Film auch in anderer Hinsicht: Die Dreharbeiten des Films wurden von indischen Journalisten begleitet, die anschließend weiter verdeckt recherchierten und mehrere Fälle aufdecken konnten, bei denen vermeintliche Waisenkinder ihren Eltern geraubt und an ausländische Paare verkauft wurden. Die Enthüllungen führten zu politischen Konsequenzen, Kinderheime wurden geschlossen. Die Filmemacher gründeten zudem eine eigene Hilfsorganisation, die sich der Ausbildung von Slumkindern widmet („We help children in Kolkata“). „Kalkutta“, sagte Zähle zu FacingKalkutta, „liegt mir sehr am Herzen“.

Auf internationalen Filmfestspielen konnte „Raju“ bereits viele Preise und Auszeichnungen einheimsen. Zudem erhielt Zähle 2010 für seinen Super16-Film den Studenten-Oscar in Bronze. In Kalkutta selber ist der Jungregisseur, der als große Nachwuchshoffnung des deutschen Films gilt, fast schon ein Star. Umringt von Menschen und ständig begleitet von indischen Medienvertretern, war Zähle stets bei den Kalkuttans präsent. Auf einem indischen Filmfest erhielt er für „Raju“ tosenden Applaus.

„Raju“ wird am 29. Juni auf Arte gezeigt.

Links:
„Die Dreharbeiten waren ein Abenteuer“ – Interview mit Kamermann Sin Huh
Max Zähle im Portrait beim NDR-Fernsehen

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